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24 Sep 2013

Wilska interview from Deadfall E-Zine

Date: August 15th 2005
Author: Fenriz


Im Rahmen des Wacken Open Airs 2005 hatten Niethan, Fenris und FallenUnicorn die Möglichkeit mit Wilska, seines Zeichens Sänger der Humppa/Folk Metal Band Finntroll, über Wacken, Zukunftspläne und natürlich übers Trinken zu sprechen. 



Freust du dich schon auf euren Auftritt in ein paar Stunden?

Oh ja, also, deshalb sind wir doch hier und es ist doch das was unsere Band ausmacht. Die Band existiert nur um live zu spielen. Ich versuche nur grade diesen Kater loszuwerden um dann da raus zu gehen um das zu tun, was wir am besten können.

Hast du heute schon wieder mit dem Saufen angefangen?

Ich fing schon in dem Moment an zu trinken, in dem ich meine Augen öffnete, obwohl wir gestern bereits etwas zu viel hatten. Das letzte woran ich mich erinnere ist, dass ich mir Samael schon sturzbetrunken vom Publikum aus anschaute – und du hast es hier nicht mit Profis zu tun, deshalb habe ich auch noch eine Flasche unter mein Kopfkissen in unseren Bus geschmuggelt.

Wie hat dir Samael gefallen, fandest du sie OK?

Ja, sie waren OK. Ich habe das alte Samaelzeug schon immer mehr gemocht. Die neuen Sachen sind ehr gute Partymusik, aber sie haben eine höllisch gute Liveshow.

Wie war gestern das Publikum bei Samael und was erwartest du für euren Auftritt?

Ich vertraue da unseren treuen Fans, dass sie ihre Ärsche hochkriegen und einfach bei der Party mitmachen. Ich meine, allein schon in Wacken zu spielen, dem legendärsten Festival Europas, ist ein großartiges Gefühl und deshalb denke ich, dass es einfach gut werden wird.

Wie oft warst du schon in Wacken?

Das ist, wenn ich ehrlich bin, mein erstes Mal, aber Finntroll haben hier schon 2001 oder 2002 in der alten Besetzung gespielt.

Und als Gast?

Nein, noch nie. Die anderen Jungs waren schon hier in den letzten Sommern, aber für mich ist es das erste Mal.

Ihr habt auf dem Dong Open Air gespielt. Was macht den Unterschied aus zum W:O:A?

Der Unterschied ist ..vielleicht 60.000 Menschen? Aber genau kann ich es nicht sagen.. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht auf dem Dong Open Air zu spielen, es war so ein nettes Festival. Als ich noch jünger war haben wir mit ein paar Freunden unser eigenes, kleines Eintagesfestival in unserer Heimatstadt auf die Beine gestellt und das Dong Open Air war halt wie mit diesen paar Freunden. Eines Morgens bin ich aufgewacht: „Hey Jungs, wir brauchen unser eigenes Festival, lasst es uns anpacken“. Deshalb wusste ich das sehr zu schätzen und mochte es sehr - die Atmosphäre auf dem Festival war großartig. Wir hätten besser sein können, wir verbrachten dort einfach den ganzen Tag und wurden unfreiwillig ganz schön betrunken.

Vor ein paar Wochen konnten wir lesen, dass ihr mit Horgh von Hypocrisy gefeiert habt und er anschließend ins Krankenahus musste. Was ist passiert?

Ja, da haben die deutschen Notfallteams vielleicht etwas überreagiert. Wir waren auf dem Earthshaker Festival und haben am Donnerstag gespielt, vor unseren Freunden von Hypocrisy. Dimmu Borgir spielten dann aber erst am Samstag, so dass der Freitag in Großen und Ganzen frei war. Wie gewöhnlich veranstalteten wir unsere finnish- norwegisch-schwedischen Saufmeisterschaften und Horgh ist eigentlich nur weggetreten, aber die Erste-Hilfe-Mannschaften haben etwas heftig reagiert, weil sie dachten, dass er eine Überdosis Drogen genommen hatte und haben ihn mit Adrenalin und dem ganzen Zeug vollgepumpt. (lacht) Das ist es, was man bekommt, wenn man mit uns trinkt!

Welche Drinks oder Biere bevorzugst du?

Also, mein liebster Drink aller Zeiten ist Alkohol und wird nur geschlagen von meinem wirklichen Favoriten Gratis-Alkohol. Für gewöhnlich ist das Bier und Vodka. Wir haben dieses Nationalgetränk unserer Band namens „Fiskarens Fiende”. Du nimmst einfach einen Liter Vodka und schüttest eine Tüte „Fisherman’s Friend“ hinein und lässt diese sich auflösen. Das ergibt dieses ‚braune Wasser’, welches wirklich ... tückisch ist.

Die Frage, an dessen Antwort wohl die meisten interessiert sein dürften ist: Wann wird es ein neues Album geben?

Wir planen das Album vor dem nächsten Sommer raus zu bringen, vermutlich im späten Frühling. Wir spielen jetzt diese paar Festivals, fahren dann nach Hause und schreiben noch ein paar neue Songs und konzentrieren uns dann auf die Vorproduktion. Im Januar gehen wir dann auf eine U.S.-Tour mit Sodom und werden dann vermutlich direkt im Anschluss ins Studio gehen.

Und wie wird es klingen? Habt ihr da schon irgendwelche Pläne?

Auf den Demos die ich bis jetzt gehört habe, probieren wir uns etwas aus als Teile neuer Songs. Wir versuchen wieder die Grenzen etwas zu erweitern. Es gibt etliche Sachen, die ich an dem neuen Material mag. Es schleicht sich auf der einen Seite beispielsweise ein schwedischer old- school Death Metal-Vibe ein, auf der anderen Seite experimentieren wir mit einigen neuen ethnischen Einflüssen. Es gibt ein paar Melodien und Rhythmen aus dem Mittleren Osten die wir ausprobieren. Ich weiß noch nicht, das Album wird auf jeden Fall Finntroll werden, aber lasst uns abwarten, was wir alles in Spektrum werfen können beim nächsten Mal.

Du hast gerade den Mittleren Osten erwähnt. Wie sind die Resonanzen auf Finntroll aus Asien oder den USA? Wie viele Fans habt ihr dort?

Das einzige, was ich mitbekommen habe ist, dass ein erwähnenswerter Teil der Fanpost, die uns erreicht, auch aus Kanada und den Vereinigten Staaten kommt. Natürlich ist Europa unser Standbein, doch bekommen wir mehr und mehr Zuspruch besonders aus Kanada. Bisher habe ich nur gehört, dass unser letztes Album in die Japanischen Import Charts, in die Metal Charts, eingestiegen sein soll - sogar auf Platz 5. Die einzige Fanmail, die ich aus dem Mittleren Osten bekommen habe, war von einem amerikanischen Army Sergeant, der uns e-mailte: „Ich liebe euer Album wirklich und wir haben die Trollhammaren EP in unserem Panzer donnern lassen, als wir in Bagdad eingefallen sind.“, was für einen alten Punk wie mich irgendwie war, wie „Oh—kay?! Was auch immer Kumpel...schön zu hören, aber schert euch zur Hölle da raus!“

Hast du ihm geantwortet oder ihn einfach ignoriert?

„Ich weiß, es ist Krieg in Bagdad und ich habe dafür Verständnis und für alles was euch sonst so den Kick gibt.. und obwohl du uns magst usw., aber ‚Die for oil, sucker!’”

Plant ihr eine Tour nach dem Album?


Also, eigentlich ist sie ja vor dem Album. Wir beginnen unsere U.S. -Kanada Tour am 6. Januar in Springfield und werden dort Sodom supporten, was vor allem für mich einen Traum wahr werden lässt. Ich bin ein riesiger Fan des alten deutschen Thrash Metals seitdem ich 13 war und mit Sodom auf Tour zu gehen ist einfach nur: „Oh Mann!“ Wir haben jetzt 7 bestätigte Termine und es werden noch einige folgen, so dass es wohl ein ganzer Monat werden wird.

Wirst du dir auch Onkel Tom heute Abend anschauen?

Ahh..sicher! Ich bin bestens für heute Abend vorbereitet. Wenn wir mit unserer Show fertig sind, werde ich wieder ziemlich betrunken sein und einen Moshpit bei Accept beginnen und werde mir dann vollkommen besoffen Onkel Tom anschauen.

Welche anderen Band hast du dir angesehen?

Naja.. auf diesem Festival habe ich alle Bands verpasst, die ich wirklich sehen wollte. Ich meine, wir sind erst am Freitag angekommen, darum habe ich Candlemass versäumt. Gestern habe ich mir nur Bloodbath und Metal Church für einen kurzen Moment angeschaut und heute habe ich die Interviews und das ganze Zeug, darum habe ich schon wieder Dissection und Count Raven verpasst. Also warte ich nun auf Accept und Onkel Tom.

Das tut uns Leid. Neben den Bands, die du erwähnt hast, spielen auch eine Menge Folk Metal Bands hier in Wacken (Ensiferum, Turisas, Equilibrium). Was denkst du über die letzten Entwicklungen der ganzen Folk Metal Bewegung und warum dieses Genre in den letzten Jahren so erfolgreich geworden ist? Bist du der Ansicht, dass sie euch ähnlich sind?

Also, jeder feiert dazu gerne! Ich meine, Ich schätze Ensiferum sehr, sie sind fabelhaft und für uns eigentlich wie enge Verwandte. Turisas sind eine großartige Liveband. Ich habe bei ihnen sehr viel Spaß gehabt. Und natürlich gibt es da noch andere Bands dieses Genres, wie Thyrfing aus Schweden, oder Lumsk aus Norwegen, welches die beste Band ist, die Norwegen seit vielen Jahren hervorgebracht hat. Ich bin einfach nur überwältigt, von dem Album, das sie gemacht haben. Wie in jedem Genre gibt es Bands, die ihren eigenen Weg finden und andere die in ihren Fußstapfen wachsen. Ich weiß es zu würdigen, dass es Bands gibt, die sich gerade ein großes Genre teilen. Du weißt immer wenn du uns, Ensiferum, Turisas usw. hörst, dass es genau diese Band ist, die ihre eigene Identität besitzt.

Und seht ihr euch als eine Art Väter der Szene?

Keinesfalls. Die Urväter der ganzen Folk Metal Szene waren schon Skyclad vor uns. Ich will das nicht ausdehnen – wir machen unser eigenes Ding und das ist es, was uns wichtig ist. Jeder kann machen was er will, nur wir sind halt etwas älter.

Das, was Finntroll so einzigartig macht, ist der Einfluss von „Humppa“. Gibt es eigentlich dafür eine genaue Definition?

(denkt) Ich habe keine Ahnung. Wir wuchsen in Finnland mit dieser Musik auf, es ist das, was die älteren Leute hören. Rein vom musikalischen Standpunkt betrachtet, ist das Humppaelement in unseren Songs nicht so groß, es ist lediglich der Rhythmus des Schlagzeugs und des Bass, welches die Musik vorantreibt. Der eigentlich Grund dafür, warum wir es benutzen und es mit Black Metal kombieren ist, dass es der Musik einen gewissen Groove verleiht.

Welches ist dein persönlicher Favorit unter den Finntroll Alben?

(denkt) Da muss ich wohl sagen „Midnattens Widunder“, weil es das erste Mal war, dass ich von Finntroll hörte. Ich kannte die Jungs schon seit Ewigkeiten und bevor ich dort Sänger wurde, arbeitete ich als Soundtechniker für Finntroll bei ihren Auftritten. Und ich habe immer noch einen Platz in meinem Herzen für „Midnattens Widunder“, weil ich zuvor nicht eine Note der Band und von den Jungs, die kannte, gehört habe - die Musik sollte nur angeblich anders sein. Dann kamen sie in meine Heimatstadt um ihr Album aufzunehmen, ich kam rein und hörte es mir an und dachte: „What the fuck is going on with these guys?!“ Und es gibt immer noch Material auf diesem Album, das wir lieben live zu spielen. Natürlich liebe ich auch das neue Album und es ist ein Album hinter dem ich zu hundert Prozent stehen kann, aber das erste hat schon etwas Besonderes.

Solltest du Finntroll in genau drei Worten beschreiben, welche wären das?

Shit, Crap, Bullshit (allgemeines Gelächter) .. Drunkenass-Finnish- Metal!

In euren Texten singst du über Trolle und all solch „märchenhaftes“ Zeug. Erfindet ihr diese selbst oder basieren sie auf existierenden Geschichten?


Nein, wir erfinden sie selbst. Also, die Einflüsse kommen schon aus Legenden, wie z.B. aus finnischen Märchen oder ähnlichem, aber wir schreiben immer eigene. Für gewöhnlich versuche ich, wenn ich Texte schreibe, die Welt die unser alter Sänger Katla geschaffen hat weiter zu entwickeln. Wir sind da nicht sehr eingeschränkt, wir verwenden Einflüsse aus alten skandinavischen Mythen, den Legenden, den Märchen, ein wenig Ron Howard, Conan und all das Zeug und ein wenig der wahren, alten Mythologie. Wir nehmen die ganzen Einflüsse und versuchen sie zu kombinieren zu dieser, unseren Welt.

Wenn du Texte schreibst stellst du dir also vor, dass man zu Trollen gut Trinken und Party machen kann?

(lacht) Diese Trollsache und die Mythologien sind nur eine Ebene. Wir versuchen aber auch solche Sachen hinein zu bringen, die uns wichtig sind. Es herrscht immer eine untere Strömung der Dinge, die wir über die Welt, über Religionen oder ähnliches sagen wollen. Ich glaube diese ganze Trollgeschichte ist eine recht gute Metapher für das, was wir ideologisch fühlen. In der skandinavischen Mythologie waren die Trolle immer die Außenseiter, diejenigen die in den Wäldern und Höhlen zu Hause sind. Lass es mich so ausdrücken, ich bin kein großer Freund der modernen Welt, weil wir, die Menschheit, die Verbindung zur Natur und zu der Welt, die uns umgibt verloren haben und wir uns verwandelt haben in diese ausbeutende, achtlose Bestie, dem gefährlichsten Raubtier in der ganzen Welt. Das ist ein Teil der modernen Welt, den ich ablehnen würde, weil ich auf dem Land groß geworden bin. Seitdem ich Kind war habe ich gejagt, gefischt und in der Natur gelebt. Wir leben zwar jetzt in Helsinki, doch ich bin immer noch ein ‚Redneck’ im Herzen.

Für uns ist es ja recht schwierig, das alles zu verstehen, weil eure Texte ja in schwedisch verfasst sind. Habt ihr schon mal darüber nachgedacht in Englisch oder einer anderen Sprache zu singen?

Nein, denn die schwedischen Texte sind ein sehr großer Bestandteil unserer Band, sowohl vom Klang, als auch vom ganzen Konzept her. Als ich der Sänger wurde und dann auch noch unser Freund dahin schied, was für die Band sehr hart war, bekamen wir Vorschläge unseres Plattenlabels wie: „Wolltet ihr eure Texte in eine andere Sprache ändern, lass uns sagen in Englisch, könnten wir ein größeres Publikum erreichen“. Wir hätten einfach unterschreiben können, aber eigentlich haben wir ihnen nur gesagt sich zu verpissen. Die ganze Phonetik der schwedischen Sprache ist so ein großer Teil von uns und wir werden daran nichts ändern. Alles andere würde die ganze Band verändern und diese wäre dann einfach nicht mehr Finntroll. Es gibt Leute, also Freunde von uns, die eine Internetseite zu Verfügung stellen, auf der sie unsere Texte ins Deutsche und ins Englische übersetzt haben. Also, wer die Texte sucht, wird sie dort finden.

In der letzten Zeit sind viele finnische Bands wie Children of Bodom oder Nightwish sehr erfolgrech geworden. Was denkst du darüber?

Was kann ich dazu schon sagen? Wir haben viele Bands und jeder kennt sie. Children of Bodom schätze ich sehr, weil sie technisch und musikalisch in einer ganz eigenen Liga spielen und außerdem sind sie nette Jungs. Und Nighwish.. das ist eine ganz schön unfaire Frage, denn ich bin mit Nighwish und ihrer Crew viele Jahre lang getourt und diese Typen sind einfach meine zweite Familie und die besten Freunde, die ich jemals hatte. An Nightwish schätze ich wirklich, dass sie ihr eigenes Konzept und ihre eigene Musik genommen, und sie in etwas wirklich Riesiges verwandelt haben. Das letztjährige Album ist das meist verkaufte Album in ganz Europa und sie haben damit Madonna und Britney Spears geschlagen. Nighwish haben ihren eigenen Sound und machen ihr eigenes Ding. Toumas hat sein eigenes musikalisches Ideal und ist damit fähig seine Musik auf das Level zu bringen, auf dem sie heute ist.

Während wir oft nur von neuen True Metal Bands aus Deutschland lesen, gibt es immer etwas neues aus Finnland. Warum denkst du, sind die Finnen so kreativ?

Das weiß ich auch nicht genau. Ich nehme an, es liegt an dem finnischen Geist, dass man nicht einfach den leichtesten Weg wählt und die einhundert millionste Kopie von Helloween oder was auch immer macht. Die finnische Metal Szene ist nicht so groß. Das ganze Land ist wie eine Familie. Ich denke, die Sache mit dem finnischen Geist ist die, dass du versuchst deinen eigenen Sound zu finden und deine eigene Art Dinge zu tun. Natürlich hat Finnland auch Bands, die andere Bands kopieren, aber das was ich daran mag ist, dass diejenigen ihren eigenen Zugang dazu finden. Das hat etwas mit der nationalen Mentalität zu tun, einfach stur zu sein. Was auch immer du einem Finnen vorschlägst, die erste Antwort wird sein: „Nein. Das werde ich nicht tun. Dahin werde ich nicht gehen. Fuck you. Ich mache mein eigenes Ding.“

War das auch der Grund “Visor om Slutet” zu machen?

Das war eigentlich nur eine Idee, die schon lange in unseren Köpfen umherschwebte und etwas, das wir einfach tun mussten, um uns zu beweisen, dass wir so etwas auch können. Im Grunde war es auch die beste Studioerfahrung meines Lebens. Wenn wir normalerweise Musik schreiben, machen Trollhorn und Tundra ihre eigenen Demos in ihren eigenen Studios mit relativ fertigen Arrangements. Und das war einfach nur ein Raum in der Mitte des Nirgendwo. Wir saßen dort 24 Stunden für eineinhalb Wochen und warfen uns Ideen zu, arrangierten diese, machten das Ganze fertig .. und tranken...und gingen in die Sauna und rollten uns im Schnee. Das wars. Das war etwas, das wir tun mussten und gleichzeitig der Wendepunkt für die Band, denn die Erfahrung, dort für über eine Woche zu bleiben und unsere Ideen auszutauschen, hat uns als Band, denke ich, mehr als alles andere zusammen gebracht.

Also fühlst du dich jetzt als Teil der Band oder bist du immer noch nur „der neue Sänger“?


Ich werde immer der neue Sänger sein. Egal ob wir nach diesem noch zehn Alben machen, werde ich immer der Neue sein, aber ich selbst sehe es nicht so. Ich kenne die Jungs schon ewig und bevor ich Sänger wurde, war ich mit ihnen als Techniker auf Tour. Ich war schon immer Teil der Familie, so dass der Schritt vom Mischpult auf die Bühne für mich nicht so groß war. Aber natürlich hat Katla die Band und unsere ganze Welt erschaffen. Andere Leute und ich schätzen ihn, weil er seinen ganz persönlichen Stil bezüglich der Vocals hat und er ist ein sehr guter Freund von mir. Es wurde noch nicht so oft gesagt, aber während der ersten beiden Alben war Finntroll etwas mehr ein Projekt als eine Band. Nachdem ich dazu kam, sind wir eine Menge getourt, mehr als jemals zuvor, und das hat uns sehr zusammen gebracht. Wir haben uns den ganzen Sommer lang darüber ausgetauscht, denn jetzt fühlen wir wie eine richtige Band und es existiert diese wirklich enge Verbindung zwischen uns sechs Jungs.

Welche Projekte habt ihr ansonsten neben Finntroll?

Selbstverständlich machen wir alle eine Menge Musik. Trollhorn hat natürlich Moonsorrow, Tundra und Beast Dominator spielen in „A Shape of Despair“, ich bin in dieser Band namens “Sethian”, die wir mit ein paar Jungs von Nighwish haben und Skyrmer, unser Gitarrist, spielt in dieser Stoner Rock Band namens „The Seventh Planet“. Im Großen und Ganzen waren wir immer Musiker. Natürlich liegt unser Hauptaugenmerk auf dieser Band und wir geben einhundert Prozent dafür, aber sich nur auf eine Band zu konzentrieren, schränkt dich selbst ein, verschiedene Sachen zu machen, erweitert deinen Verstand und dein Spektrum als Musiker.

Würdest du heute keine Musik machen, was würdest du tun?


Ich hätte vermutlich meinen Abschluss von der Universität. Ich weiß nicht, ich würde wahrscheinlich als Lehrer Englisch und Schwedisch auf dem Land unterrichten... oder einfach noch in meiner alten Heimatstadt sitzen und ein totaler Redneck sein.

Was hältst du von dem ganzen Internet-Tauschbörsen-Netzwerk?

Zu aller erst, dein Album einen Monat vor der Veröffentlichung im Internet zu finden ist natürlich scheiße. Jedoch haben mich diese ganzen Musiktausch-Communitys auf eine Menge neue Bands gebracht. Ich persönlich lade mir Musik runter, um neue Musik und neue Bands zu finden. Das, um sein Leben zu bereichern, ist großartig, aber als Verbrechen ist es einfach scheiße. Du musst dir ins Gedächtnis rufen, dass wenn du dir Musik aus dem Internet runterlädst, du unsere Möglichkeiten Musik zu machen einschränkst, denn wir tun dies ja auch um etwas daran zu verdienen, damit wir weiter machen können und auch weiterhin genug zu essen haben. Ich meine, du würdest ja auch kein Auto stehlen, also warum solltest du das mit Musik tun? Das Leben ist nicht nur Schwarz-Weiß, es gibt immer gute und schlechte Seiten...

Welche CDs drehen sich im Moment in deinem Spieler?

Die CDs, die ich in der letzten Zeit oft höre sind z.B. das neue "System of a Down" Album „Mesmerize“, welches wirklich atemberaubend ist, die Collectors Box von Johnny Cashs „American Recordings“, dann gibt es da diese Folk Rock Band aus Norwegen namens ??? (A.d.R.: Das war leider nicht zu verstehen), welche die beste Neo-Folk Rock Band ist, die ich seit Jahren gehört habe. Wenn wir im Bus sitzen und die Party gerade richtig abgeht, scherzen wir immer: „Ich wünschte unser die-hard Fan Klaus aus München wäre jetzt gerade hier“, denn er wäre so enttäuscht, weil wir dort für gewöhnlich eine Menge 70er Funk und Disco Zeug hören.



Hast du noch irgendwelche letzten Worte, Morddrohungen oder sonst etwas?

(lacht) „Say what you want to say to your german fans!” – Ich meine, was auch immer? Kriegt eure Ärsche hoch und kommt zu unseren Shows, dann werdet ihr schon sehen, wie wir sind. Wir haben eine wirklich enge Fanbase in Deutschland und diese Leute folgen uns zu allen unseren Gigs und sind sogar heute hier. Ich habe gar keine Worte um meine Wertschätzung für diese Hingabe zu beschreiben. Wenn jemand oder eine Gruppe von Leuten es so sehr schätzt, was wir tun, um zu allen unseren Auftritten zu kommen und für uns da zu sein seit so vielen Jahren, ist das so herzlich gefühlt und gibt mir persönlich die Energie und die Kraft um das zu tun, was wir tun. Einfach ein großes Danke dafür, dass ihr da wart!